11. Februar 2015

Warum kann ich nicht Diktator sein vom Hohen Venn?

Ja, warum kann ich nicht Diktator sein vom Hohen Venn?
Das wäre es doch, Muschi vom Venn der Glorreiche Zehnender. Ich finde, das klingt gut. So ein bisschen Eifel für mich ganz alleine, angefangen von der Rureifel rund um Nideggen über Aachen bis nach Eupen weiter nach Malmedy und Hellenthal. Dann würde ich die Muschikratie einführen und meine lieben Mitbürger muschinisieren.
Ich würde Gesetze schaffen. Gesetze in denen Radfahrer Vorfahrt haben, Gesetze in denen Wanderer Mountainbikern den Weg frei geben müssen. Der Nationalpark Eifel würde verkleinert werden und als Reservat für Wanderer dienen. Ich bin so weitsichtig und tolerant, ich bin soooooo super. Ich geniesse das Ansehen meiner Feinde und Freunde.
Forstmaschinen hätten Fahrverbot im Wald, die fahren ja alles kaputt und Pferde kämen wieder zum Einsatz. Geht doch nicht, dass unsere Trails kaputt gefahren werden. Das belgische Forstgesetz mit seiner 2m Regel und den drakonischen Strafen würde abgeschafft werden und Holzstege nur noch von Mountainbikern befahren werden dürfen.
Fast entfährt ein protestierender Schrei meiner Kehle. Ich wache auf, Guten Morgen Muschi, Guten Morgen Realität. Ist ja alles Quatsch wir alle haben uns lieb.
Stattdessen lebe ich im Hier und Jetzt und muss froh sein, überhaupt das Privileg genießen zu dürfen, zu wissen, wie schön meine Heimat ist. Mir muss doch die Sonne aus dem Arsch scheinen, so geil ist das hier zu fahren. Da falle ich die Tür raus und steh im Wald. Hier ist's so toll, es gibt Menschen die machen hier Urlaub, ja, machen die nicht aus Zwang.
Man vergisst halt zu schnell, wie gut man es hat und sieht die Schönheit der Natur nicht mehr, weil sie zu offensichtlich ist. Also Augen gaaaaaaaanz weit öffnen.

Unn hee in de Eefel, dat is ja so jet janz Tolles, met demm Lääve hee.

Die alten Zeiten sind ja zum Glück vorbei, wo sich nicht wirklich jemand für uns kleines, diebisches Bergvolk interessierte. Eigentlich war jeder froh, nicht da zu sein, in preußisch Sibirien, mit Feldern auf denen Steine wachsen, dem ständigen Regen, dunklen Wäldern, tiefen Sümpfen und Kirchgang. Sogar Napoleon konnte nicht schnell genug weg. Sieht man an den schnurgeraden Straßen, die er hat bauen lassen und die Alliierten wollten erst gar nicht über den Westwall.
Heute ist es toll hier, weil hier alles sooooooo schön ist, so die Natur und so meine ich, und sogar lecker essen kann man.

Ich bin ja ein Kind, das noch richtig unter Eifler Bauernkost zu leiden hatte. Gekochte Schweinenasen und Schweineschwänze gehören zum Glück nicht mehr zum Standardprogramm, bah war das immer fies. Dann doch lieber Löwenzahneintopf und Brennesselgemüse. Ich sehe heute noch immer meine Oma vor mir, wie sie Opa mit Eimer und Messer in den Händen zum Kettestrüüch schneiden schickte.
Aber HALT, ich wollte ja über Gefühl reden. Das Gefühl des Glücklichseins und darüber, dass man irgendwo wohnt, wo andere Urlaub machen. Oder andere erst lange Anfahrten machen müssen um anzukommen, im Spieleparadies. Ich, wie viele andere auch, die im Taunus, Hunsrück, Westerwald oder wo auch immer wohnen, wir haben das große Los gezogen im Mittelpunkt der Glückseligkeit zu wohnen, ganzjährig befahrbar.
Da muß man dann auch mal anhalten auf einem Berg, Hügel, Sandburg und gucken und genießen, schätzen und würdigen, was man für ein Glück hat. Das Leben bietet so viele andere Gelegenheiten, über den Knüppel zwischen den Beinen zu stürzen, da muss man Glückseligkeit genießen, so oft es geht. Natürlich sind die Alpen toll, die Vogesen ein Erlebnis, Harz Fichtel- und Erzgebirge tolle Destinationen. Wir haben weniger, na und, Viele haben noch nicht mal das.
Durch den Blick in die Ferne zu nicht erreichbaren Trails in Sonne und Wonne, verliert man doch sehr schnell die Kurzsichtigkeit ins eigene Drumherum. 1000mal befahren und man tut es noch ein 1001tes Mal, weil es schön ist, auch wenn es zur Gewohnheit geworden ist.

Ich wünsche euch viel Spaß eure Reviere vielleicht mal mit anderen Augen zu sehen, wie zum Beispiel mit den Augen meiner Lieblingsfotografin Fräulein Stein.
Noch ein kleines Anekdötchen aus dem Monschauer Land:

Unser Kaiser Karl war mal auf Reise zurück zur Pfalz zu Aachen.
Als er gegen Abend die Nordteile erreichte, wollte er in einer Herberge bis zum nächsten Morgen rasten. Da der Herbergsvater ein geiziger Mensch war, ließ er das warme Feuer zur Nacht löschen.
Kaiser Karl beschwerte sich am nächsten Morgen bei seinem Gefolge , " Ne wat wor dat en kahle Herbersch". Von nun an hieß der Ort Kalterherberg.
Auf der Weiterreise nach Aachen verlor er seine Mütze, " Ich fink ming Mütz net mie" sagte Karl und schickte 2 Reiter, sie zu suchen. Seitdem heißt der Ort Mützenich.
Die 2 Reiter liessen sich Zeit. Als das Gefolge den nächsten Ort passierte, meldete die Nachhut aber, dass sie die Reiter in der Ferne kommen sehen, "Do hinge konnze!". Konzen war fortan der Name des Dorfes
Es dauerte aber bis zum nächsten Ort, ehe die 2 Reiter Kaiser Karl die verlorene Mütze zurückgeben konnten. Sie riefen Karl entgegen "Do simmer add". Bis heute heißt der Ort Simmerath.

Think pink, eure Muschi