26. März 2015

Von Zweien, die auszogen – Trail-Surfen südlich der Eifel

Die Eifel ist schön – keine Frage. Aber andere Mütter haben auch schöne Töchter. Und hin und wieder isst man ja auch gerne auswärts.

Die Eifel ist schön – auch Anfang März. Biken bei hoher Luftfeuchte und niedriger Temperatur, mit Schlammpackung von klebrig bis dünnflüssig, von Kopf bis Fuß, was will man mehr.

Die Eifel ist schön – aber bei aller Liebe. Zwei Vennbiker haben sich aufgemacht zu neuen Ufern, andere Trails zu erkunden. Irgendwo südlich der Eifel, ja sogar weit südlich der Eifel – sehr weit südlich der Eifel.

Ins Orotavatal am Nordhang des höchsten Bergs Spaniens, des Teide.
Szenenwechsel: 8:00 Uhr morgens, Sonne, angenehmes T-Shirt-Wetter, Busstation Puerto de la Cruz, Teneriffa. Wir warten auf den Bus. Der Linienbus 348 als Bike-Shuttle. Am Wochenende müssen die Locals nicht arbeiten, da kann es schon mal voll werden.
Aber es ist Dienstag, ein Guide der lokalen Bike- Station zerlegt sein Bike und die seiner beiden Tourteilnehmer für den Transport im Bauch des Busses. Neben diesen dreien und uns ist heute nur ein einziger weiterer Biker vertreten, ein freundlicher Canario mit schwerem Gerät, Full-Face und Ganzkörperschutz. Wir reihen uns ein. Dann geht es von Meeresniveau auf ca. 2000m üNN nach El Portillo, Besucherzentrum des Nationalparks am Teide.
Ab hier kann der jetzt nur noch etwa 1700m höher gelegene Gipfel des Teide erkundet werden, das allerdings nur zu Fuß, denn erstens führen alle Wege durch den Nationalpark, wo biken höchst verboten ist, und zweitens wäre zumindest der Hinweg ob der Steilheit in unwegsamem Gelände zum größten Teil nur schiebend und tragend zu bewältigen. Unser Plan ist ohnehin ein anderer, wir haben mehr Tiefenmeter im Sinn als Höhenmeter.
Während der nette Canario noch sein Bike zusammenbaut und sich – im wahren Wortsinn – in Schale wirft, sitzen wir schon im Sattel auf dem Weg zum ersten Trail des Tages. Bernd ist heute unser Guide und hat nur Gutes versprochen.
Der erste Trail scheint eine der Hausstrecken der Locals zu sein, ein schmaler Pfad zwischen den Bäumen mit ausgefahrenen Anliegerkurven und hier und da gebauten Schanzen, und alles auf feinem Lavageröll mit nur minimalem Grip. Vermutlich ist das für die Locals in Ritterrüstung eine Rennstrecke, für mich gilt hier eher heil runter kommen mit höchster Konzentration. Der alles in allem eher flowiger Trail spuckt uns irgendwann dann doch wieder aus. Was bleibt ist das Grinsen, aber es sollte noch besser kommen.
Nach kurzer Querung Richtung Osten finden wir auf der folgenden Abfahrt einen Trail mit gänzlich anderer Ausprägung, sehr technisch, verspielt, wie sich noch zeigen sollte, mein Lieblings-Trail in diesem Tal. Waldboden und Fels mit Nadelteppich und Stufen, immer wieder verblockt durch große Steine. Nur durchrollen und ausgleichen reicht hier nicht, immer wieder vor Stufen nach oben ziehen, dann der nächste Absatz, die Spitzkehre, und das Ganze von vorn.
Auch im weiteren Verlauf der Tour finden wir Trails vom feinsten, Flow im Wechsel mit technischen Passagen. Für mich Herausforderungen, Leckerbissen für Feinschmecker in der Geschmacksrichtung S2-S3. Fels, Stufen, Steine, Sand, Waldboden, Wurzeln, tiefe Rinnen – von allem etwas. Ich weiß jetzt auch was verblockte Passagen sind!
...und – ja da war doch noch was – Spitzkehren! Was wir bei uns – in der schönen Eifel – suchen gehen, gibt’s hier zuhauf. Eine nach der anderen, eine schöner als die andere, mit Stufen davor, dahinter und mittendrin. Da Bernd ein Spielkind ist, werden die schönsten und kniffligsten Stellen natürlich mehrfach verprobt. Und auch für mich gilt hier – nach hinreichend vielen Wiederholungen klappt es immer besser, immer mehr Airtime für’s Hinterrad. So lassen sich die 2000 Höhenmeter bis runter zum Meer gut auf den Tag verteilen.

Fazit des Tages:

Trail-Surfen am Teide mit viel Sonne, grandioses Panorama über den Wolken, Trails, Trails und nochmal Trails, beste Bedingungen für Spielkinder, zur Nachahmung empfohlen!




So schön ist es südlich der Eifel.