10. April 2015

Auf der Suche nach dem schönsten Kilometer.


Selten genug dass sich zwei Menschen treffen und eine Symbiose bilden wie Bonnie und Clyde, Sonny und Cher oder Spirou und Fantasio. Noch schöner wenn sie die gleiche Leidenschaft zum stahlröhrgetriebenen Mountainbike haben. So geschehen im lichten Aufblitzen des Frühlings 2015. Maik und Muschi, Fortitude und Longitude, die Genesis Stahltriebtreter auf der Suche nach dem schönsten Kilometer einer fast 100km währenden Tour. 


Für einen Schäfchen zählenden niederrheinischen Haldenbezwinger wie Maik ist das grandiose Escarpement des Hohen Venns ein anzustrebendes Ziel, um die Sehnsucht nach Freiheit und Weite zu befriedigen. So soll es sein. Das ganze sitzend auf edlem Stahlgeröhr des englischen Rahmenbauers Genesis, gibt der Tour dann auch einen kleinen Hauch von Exclusivität. Ich fahre ja schon seit Jahren meinen, zum Singlespeed aufgebauten, Fortitude-Rahmen. 

Maik kommt jetzt dazu mit seinem brandneuen Longitude in 1x10. Ausgelegt ist das Longitude als 29+ Rahmen für Midfat Reifen bis 3 Zoll Reifenbreite. Es ist der legitime Nachfolger des eingestampften Fortitude Modells. Der Starrrahmen in Verbindung mit den 3 Zoll breiten Reifen soll den nötigen Komfort bieten auch technische Sektionen souverän zu meistern. Zwar fährt Maiks Longitude noch auf gewöhnlichen 2.25er Schluppen und 19mm Felgen durchs Geläuf, doch dies wird sich gegen Ende des Jahres ändern. Dann sollen die Felgen auf 35-50mm Maulweite aufgeblasen werden, um den fetten dreizölligen 29er Reifen den nötigen Platz zu geben. Alles weitere dazu findet ihr auf MTB-News im Forum Ein Stahlross entsteht.

Aufgesattelt und verproviantiert geht es ab zur Trailhatz durch den Aachener Stadtwald, bevor wir uns gen Belgien zur Wesertalsperre wenden. Einige Kilometer haben wir schon gesehen und schön waren sie. Aber war da schon der schönste Kilometer mit dabei? Maik ist geneigt dies zu bejahen, so begeistert ist er. Ich jedoch weiß die Spannung aufzubauen. Ich möchte Sabber fließen sehen aus seinen Mundwinkeln. Der Weg zur Wesertalsperre ist lang, der Anstieg moderat, aber für jemanden der ihn nicht kennt zäh wie Kaugummi. Dafür entschädigt die schöne Aussicht von der Staumauer zum Wasser, oder herumgedreht ins Nichts der endlos steil abfallenden Staumauer gen Tal. Sehe ich da einen Ansatz von Sabber in Maiks Mundwinkeln? Mitnichten, das ist hier nicht der schönste Kilometer der Tour. Aber den muss der Schäfchenzähler sich erstmal verdienen. Jetzt geht es mal total verlustigt bergan bis auf 658m ins Hohe Venn. Ich denke dort wird sich der schönste Kilometer schon finden.

Ich kann dieses Singlespeeddingsbumsgefühl gar nicht genau beschreiben, dass mich immer überkommt wenn ich so lange Anstiege mit moderaten Wohlfühlprozenten bewältigen darf. Aber nicht umsonst ist der Eingänger mein liebstes Rad im Stall und ich ein begeisterter Besucher des  Planeten der Singlespeeder.

Und da ist er dann auch der langgesuchte, ersehnte und mit Spannung erwartete, schönste Kilometer der Tour. Er begingt im Anstieg durch das Getzbachtal zum Hochplateau vom Hohen Venn. Obwohl noch Brauntöne vorherrschen hat die eintönige Mattigkeit der Landschaft einen ganz besonderen Reiz. Sabber macht sich breit, es tropft. Eine stete nasse Spur der Ekstase bricht sich auf belgischen Wanderasphalt Bahn. Es ist vollbracht, ein Haldenbezwinger in der Glückseligkeit des Seins auf dem Weg zum höchsten Punkt des Kreis Aachen auf dem Steling oberhalb von Mützenich. 
Kilometersuchen macht hungrig, was kann da besser passen als eine Currywurst mit Pommes.
Maik freut sich das oben oben ist und es jetzt fast nur noch talwärts geht. Waren doch ganz schön viele Kilometer. Zur Entspannung geht es auf den Vennbahnweg. Aber alle Entspannung nutzt nix. Jeder Motivationsversuch noch 6 läppsche Kilometer zur Vollendung der kilometrigen Dreifaltigkeit zu generieren scheitern an der strikten Verweigerung mir weiterhin Gefolge zu leisten.

Ende aus Micky Maus, Maik für dich meinen Applaus.


In diesem Sinne - Think Pink, eure Muschi.