22. April 2015

Wenn dein Rad dir Ratschläge gibt.

Wenn dein Rad dir Ratschläge gibt, dann hast du Alles richtig gemacht. Zumindest wird dein Geldbeutel geschont. Die Ausgaben für einen Therapeuten, Yoga-Kurse und Bücher zu Autogenem Training entfallen. Und vor allen Dingen, keine Entspannungsmusik mehr auf CD gepresst, denn du fährst Fahrrad. Nun ist das beim zweiten Hinsehen nicht so einfach, wie es sich schreibt, denn der Weg ist lang. Das fängt mit dem Verstehen des Unvermeidlichen an. Es fängt damit an, zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass du egal, ob du Single bist oder nicht, nie alleine in der Welt stehst. Denn, wir haben einen neben uns laufen! Deswegen besteht eine Partnerschaft damit mindestens aus 3 Personen, das nennt man dann auch Betreutes Wohnen.
Damit fangen aber schon die Probleme an, denn die Wenigsten von uns nehmen ihren Nebenläufer an und akzeptieren ihn, von ernst nehmen mal ganz zu schweigen. Zumeist wird er ignoriert, dann fühlt er sich diskriminiert. Dabei ist es so schön, immer zu wissen, wer gerade schuld ist, an den Fettnäpfchen des Lebens.
Zu unserem Murphy, so heißt mein Nebenläufer, gesellen sich dann auch noch die Tücken des Alltags wie der Chef, die Kollegen, der Nachbar, die Zeugen Jehovas, der Gerichtsvollzieher und tolle andere Menschen, die uns was verkaufen, uns missionieren, uns bestehlen, oder uns einfach auf den Sack gehen wollen. Da hilft häufig nur die Flucht in eine schöne allumfassende Weltuntergangsstimmung oder zu Jack und Jim.

Alternativ kann man sich auch nach Osten wenden, ins Meditative, oder nach Westen zum Therapeuten. Und weg sind die Euros, gefallen in den Schlund der Selbstfindung ohne Gewähr und der Tiefenentspannung ohne Garantie.
Sex ist auch keine Lösung, euer Nebenläufer ist ein intriganter Typ. Was der sich alles einfallen lässt, um uns dabei den Spaß zu verderben! In jungen Jahren zu früh, im Alter gar nicht mehr, ekelisch.
Bei Männern kommt dann ja auch noch erschwerend das Testosteron dazu. Dieses geile Zeug, welches uns so stark und durcheinander macht. Das muss man sich mal vorstellen!
Da kommt man in die Pubertät und der Testosteronspiegel steigt für die nächsten 55 Jahre um 800%. Man wird gedopt auf Kosten des Denkens, denn Testosteron stört die Verknüpfungen zwischen den beiden Gehirnhälften. Naaaaaaaa, wird jetzt Einiges klarer?
Der Testosteronspiegel sinkt durch körperliche Betätigung, habt ihr jetzt die Erleuchtung? Ich sage es euch, Radfahren ist besser, besser als ALLES.
Oder hat euch schon mal einer beim Radfahren gesagt " Mann, hast du einen neben dir laufen“? Ist ja auch albern, man fährt ja Rad und ich auch immer ohne Gepäckträger.

Ich fahre, um zu denken und denke, um zu fahren. Also mein Stress und Verdruss, mein Ärger und meine Ängste bleiben schön mit meinem Nebenläufer zu Hause und ich kümmere mich um die Hormone. Das mit dem Hare Krishna auf dem Rad bedarf natürlich einer gewissen Übung und Betrachtungsweise seiner an einem vorbei ziehenden Umwelt. Dazu muss erstmal der Testosteronspiegel runter, also Kilometer fressen. Manche schaffen es schnell, manche nie, aber was definitiv hilft, ist das Fahren über den Punkt der mentalen Anwesenheit hinaus. Bei dem Einen kommt er früher, bei dem Anderen später, einige Wenige sind sowieso nie anwesend. Ja, fahren über den Punkt hinaus, da wo die Rübe abschaltet und resetet. Dies geht dann meist mit einem gewissen Grad an Erschöpfung einher aber was soll es, umsonst ist der Tod und auch das ist gelogen.
Und ich sage es euch: Die Krönung ist ein 24h Solo. Habe ich ausprobiert, das muss man mal gemacht haben, UNBEDINGTESTENS. Nach 24h ist der Testosteronspiegel gefühlt auf null, dann kannst du loslassen oder vom Rad fallen.
Das ist der Aufstieg in die finale Dimension des Seins. Dann bist du da, deine beiden Gehirnhälften kommunizieren miteinander, du denkst nicht mehr wirr und deine Muskeln schmerzen, du hast vergessen wann und wo du auf das Rad gestiegen bist, frönst der finalen Erschöpfung und "Es" beginnt zu reden.
Ja richtig "Es" redet, das Rad, dein Hirn, dein Administrator, Gott oder wer-wie-was auch immer. "Es" treibt dich zum Loslassen, nur noch du, das Rad und die vorbeiziehende Kulisse.
OMG was gibt es Schöneres, und dann das Gefühl so schön durch das Klo abgezogen, nach Hause zu kommen, einen Kaffee oder ein Bier, eine Dusche oder eine Wanne, und das große Nichts was man sich jetzt gönnt zu genießen.

Nein ich will kein Yoga und keine Entspannungsmusik, ich will radfahren.

Think Pink, eure Muschi