20. März 2016

Tort(o)ur durchs Mergelland

Ich habe lange überlegt wie ich den Tourbericht anfange. Fange ich mit meiner fehlenden Form an, mit den Carbonfeilen von Mario und Max, mit dem schönen Wetter oder der tollen Streckenführung.....

Ich fange vorne an: Die Vennbiker waren am Sonntag (13.03.) geteilt unterwegs, die Springschweine Till und Ingo fuhren in Belgien das erste Enduro-Rennen, die Tretschweine Max, Mario und ich trafen uns in Vaals zur Gulpenrundfahrt.
Wie immer bei den Vennbikern sollte man hellhörig werden, wenn man mit den Worten "wird ne Kaffefahrt, ich bin krank" begrüßt wird. Das sollte mir schlagartig auf den ersten Kilometern klar werden. In der Riege der Fortbewegungsmittel war ich klar im Nachteil, Max rollte mit seinem neuen Cannondale-Carbon HT an und Mario griff zu seiner neuen Waffe, dem Focus Raven Max Factory. Beide zwischen 8 und 9 Kilo leicht, da wurde meine Diva mit 12 Kilo zur Fat Lady. Aber gut, Kaffefahrt bedeutet auch mit Carbon immer noch Kaffeefahrt.

Wir rollten also in Richtung Gulpen los, erst mal easy durch Vaals, kaum hatten wir die Ortsgrenze überquert, setzte es das erste Mal bei Mario aus, auf einem Bergabstück gab er dem Raben Feuer, Max und ich ließen ihn ziehen, "das nennt man bei Mario warm fahren" rief mir Max zu. Danach ging es erst mal ruhiger über die Landstraße bis nach Gulpen.

In Gulpen hieß es Startnummer holen, auch hier gab es für Mario natürlich keine 08/15 Nummer sondern die 1400.

Und los gings dann auch schon mit einer leckeren Steigung auf leichtem Geröll. Diese Steigung sollte mir schon am Anfang die letzten Körner entziehen. Die beiden Carbon-Ritter zogen direkt das Tempo an und ich versuchte natürlich dran zu bleiben, allerdings mit dem großen Nachteil, dass mein Puls sich bei 180 Schlägen fest setzte. Es ging danach zwar auf einen kurzen Trail bergab und dann ein kurzes Stück auf Asphalt weiter, aber mein Puls war am oberen Anschlag.

Es ging dann auf Feldwegen immer mit leichter Steigung auf den Höhenzug entlang der belgischen Grenze, den wir immer wieder im Laufe der Tour hoch und runter fahren sollten. Mario und Max fuhren immer wieder vor, meine Leistung war miserabel. Da kamen mir dann doch schon mal die Gedanken, ob ich übertrainiert bin, durch die ganze Winterpokalfahrerei und dass das ganze Training überhaupt nichts genutzt hat und ich die ganze Fahrradfahrerei nicht besser ganz lasse.


So fuhr ich mit miesen Gedanken hinter den beiden her und hatte keinen Blick für die Landschaft, das sollte sich aber zum Glück bald ändern. Nach 12 Kilometern stand ein Highlight an, ein kurzes Stück mit 20% Steigung. In dieser Steigung schoben schon viele ihre Räder, Mario nahm sie von uns als erster in Angriff, der Rabe ließ in quasi da hoch fliegen, Max folgte und musste sich aber auf den ersten Metern mit einer rumzickenden Schaltung einigen, eine Kunst wie er doch noch den richtigen Gang fand, ohne abzusteigen, auch er meisterte die Steigung. Ich kam leider nicht weit, da der Boden sehr schmierig war und mein Hinterad komplett den Grip versagte. Also schob ich mit den anderen.

Oben angekommen bot ich an, dass Mario und Max ohne mich weiter fahren ich war ja ehr so der Bremsklotz. Aufgeben war für mich keine Option, ich wollte die Tour auf jeden Fall zu Ende fahren. Die beiden passten sich meinem Tempo an. Denn ein Spruch besagt: "Samen uit, samen thuis", frei übersetzt "wir fahren gemeinsam los und kommen gemeinsam an". Ich entschied mich, mein Tempo zu fahren und meinen Puls im Auge zu behalten.


Nach einer kurzen Rast mit Energieriegelversorgung ging es ein kurzes Stück die Straße entlang und dann auf einen schönen Wurzeltrail mit prima Fahrspuren drin. Hier mutierte der Rabe zum Wildpferd und Mario wurde Rodeoreiter, ich zählte mindestens drei Mal, dass der Focus Raven bockig aus der Spur in die am Rand wachsenden Brombeeren sprang, aber Mario parierte gazellengleich jeden Versuch abgeworfen zu werden. Volle Punktzahl! Ich musste schmunzeln und das hob meine Stimmung auch schlagartig.

Weitere Motivation gab mir die direkt folgende Steigung, an der schon wieder einige Mitfahrer schoben, ich aber zog fahrend an ihnen vorbei. Das gab wieder Energie für den Rest der Strecke. An dieser Stelle mal ein großes Lob an die Veranstalter, es war eine schöne Strecke mit viel Abwechslung, ein gelungener Mix aus fordernden Anstiegen und schönen Abfahrten.


Einer dieser fordernden Anstiege kam vor der ersten Verpflegungsstelle, noch einmal richtig steil und lang, die Bewältigung wurde aber mit einer sehr leckeren Gemüsebrühe und Kuchen belohnt. Es ging dann entspannt abwärts Richtung Vaals um dann eine große Schleife durch den Aachener Wald zu fahren. Wir drei fuhren meist zusammen, an verschiedenen Stellen ließ ich die beiden aber ziehen, da ich jetzt auf meine Leistung achtete. Das sollte sich bezahlt machen. Negativ bezahlt machten sich allerdings die wenigen Kilometer von Max auf dem Rad den Winter über, er klagte über unangenehme Gesäßschmerzen. Grundsätzlich ist das noch hinderlicher, als meine fehlende Form, aber auch Max schlug sich tapfer bis zum Ende.

Max stellte irgendwann fest, dass man Mario auf seinen eigenen Trails mit der Streckenführung noch überraschen kann, denn oft sagte Mario "ach jetzt gehts bestimmt gleich da rechts" oder "gleich kommt n schöner Trail da links" aber Pustekuchen, es kam immer anders als Mario dachte. Und tatsächlich befuhren wir auch Teile, die Mario noch nie gefahren war.

Nach dem Aachener Wald führte uns die Strecke auf einer rasanten Abfahrt wieder nach Belgien hinein um dann logischer Weise wieder auf einer langen Steigung auf den Grenzhöhenzug zurück zu kommen.

Oben angekommen, setzte es das zweite mal richtig bei Mario aus, plötzlich gab er sowas von Gas und das mit einer Starrgabel auf einem mit Wurzeln und schroffen Steinen gespicktem Trail, ich trat mit an und konnte nur noch staunen, mit welcher Geschwindigkeit er übers Gelände fegte, das kriegen Andere nicht mit nem 120mm Fully hin. An dieser Stelle mal Respekt dafür! Am Ende des Trails bekam ich auf die Frage "Was war denn jetzt los?" "Da war ein Segment!" mit einem breiten Grinsen als Antwort. Jaja, da war er wieder der Strava-Ritter!

Bei 77 Kilometern verloren wir die Streckenführung, irgendwie hatte wir einen Pfeil übersehen oder der war nicht mehr vorhanden. Also entschloßen wir uns nicht nach Gulpen zurück zu kehren, sondern den Heimweg nach Vaals an zu treten. Hier sollte erwähnt werden, dass wir bis hier hin mit fast trockener Streckenführung gesegnet waren und unsere Räder demnach noch passabel aussahen.


Das sollte sich jetzt schlagartig ändern, denn Mario führte uns über saftig matschig wassergetränkten Wiesen entlang des Flüsschens Geul. Nachdem wir die Räder dann doch noch eingesaut hatten und diverse Zäune überwunden hatten, ging es auf die letzte lange, fiese Steigung. Oben angekommen war aber an entspanntes dahin rollen nicht zu denken, Mario und Max hatten immer noch unglaublichen Druck auf dem Pedal. Das war mir aber egal ich fuhr meinen Stiefel weiter und ließ die beiden ziehen. In Vaals angekommen gab es zum Abschluß für uns Männer ein leckeres Bierchen und für die Räder eine erfrischende Dusche.


Es war eine sehr schöne Tour mit sehr viel Abwechslung und wir hatten hervorragendes Wetter. Bleibt festzuhalten, dass der Mario n schönen Sockenschuß hat, der Max dezent die gleiche Leistung gebracht hat und ich viel zu viele Klamotten, Energienahrung und Flüssigkeit mit mir rumschleppte. Ich werde daraus lernen und bin auf der anderen Seite aber ein kleines bisschen stolz darauf, zu der 1-fach-Antrieb-Elite zu gehören.

In diesem Sinne, merkt Euch die Tour für nächstes Jahr vor und wie immer Kette rechts!