9. Mai 2016

"Sweet Little 16" Gäsbock Marathon 2016


Der Bericht aus Sicht eines noviziellen Wiederholungstäters
Freitag, 6. Mai. Der Wecker klingelt.........nicht. Denn mein Mai-Wort des Jahres gibt sich heute die Ehre: Brückentag. Die Sonne lacht und es prickelt in mir. Brü-cken-tag:love: Brötchenholen und das lange Wochenende mit einem ausgiebigen Frühstück einläuten. Der vorhergehende Feiertag, "Vatertag", wurde mit Eisessengehen und anderen schönen Dingen, wie einem ordentlichen Bikecheck, gestaltet.
So strahlt mich mein Whyte also bereits wartend auf der Terrasse an, als ich den Frühstückstisch decke. Es geht also in die Pfalz, eigentlich Palz, aber mit einem kleinen Abstecher zum "Klassenfeind", in die Kurpfalz nämlich. In die Nähe von Heidelberg. Dort nimmt mich Armin, samt Partnerin Yvo, herzlich in Empfang.
Bald lugt Kumpel Sebastian mit seinem Drössiger ums Eck und zackbumm sind wir auch schon auf dem Rad, uns einige der schönsten Trails um Heidelberg zu geben. Die Rast auf dem Königsstuhl, mit tollem Blick ins Tal und den Neckar, die knackige Abfahrt danach und einige Höhen- und Tiefenmeter später, purzeln wir wieder ins Ziel. Nach ausreichendem Radlerkonsum richtet sich der Blick zum Grill und später genießen wir den lauen Abend mit ordentlich lecker aufm Teller.


Samstag, 7. Mai. D-Day. Eigentlich habe ich ja Kurzstrecke gemeldet. Fünfzig Kilometer und Tausendvier/fünfhundert Höhenmeter. Eigentlich. Denn mein Vennbike-Stammestrikot in Größe "Race L" sitzt nach den zahlreichen im Winter abgespulten Kilometern immer noch knackig um Bauch und Hüfte. Nichts drückt oder zieht. Also Langstrecke? Warum nicht. Will aber nicht alleine, mal Armin fragen. Wir entscheiden uns, uns an der Spaltung zu entscheiden....
Start.




Frühstück gibt es heute erst einmal keins. Später. Erst an der 1. VP, salzige Dampfnudeln mit Vanillesoße, halbe Bananen, Nutella-Schnitten.
Dritter im Bunde ist Christian, mit seinem XL Scaled 301er. Die ersten 520 Höhenmeter und 20 Km zur VP nehmen wir locker und entspannt; lassen einige bereits hechelnd an uns vorbeiziehen, wohl wissend das unsere Stunde noch kommen wird! Denn wir wollen die Trails heute bis zur Neige auskosten und nichts ungefahren lassen - so der Vorsatz.
Vor der ersten VP wartete jedoch schon das erste kleine Highlight der Strecke - die TREPPE. Ja, eine Treppe.







Nüscht wildes, möge man meinen. Und der Blick aufs Foto lässt wahrscheinlich bei den meisten die Schultern zucken.
Das geschmeidige Gift, das sich einem leicht einflößt: Es ist Warten angesagt, das Tandem kommt da wohl nicht so richtig ums Eck. Dazu die ersten Dutzend Traillegastheniker, die entweder runterschieben und mittem im runterschieben stehenbleiben oder purzeln...



Christian bleibt kurz zurück...Brille putzen...Armin vor mir......guckt, ob ich auch schiebe. NÖ. Heute bitte nicht, ist ja trocken und alles locker von Rübe und Cojones. Also geschmeidig runter, Applaus, man dankt.

Also, nach der 1. VP wieder ab in den Wald. Die Höhenmeter schieben sich vor einem her, es gibt einige Abschnitte, da steht die Luft und die Lunge scheint sich mit feinem Staub zu vereinen. Kein Lüftchen. Immer wieder schöne Traileinstiege in meist recht schnelle, schmale Waldtrails. Pfalzgestein rüttelt auch immer wieder Bike, Beine und Arme durcheinander. Dann wieder ein schmaler Gegenanstieg, Singletrail 15% hoch. Ich mag diesen Rhythmus und bald ist die 1.000 Hm-Marke geknackt. Ging leichter als gedacht. Wir sind ein gutes Team und wechseln und immer wieder vorne ab, ohne das wir uns überpowern.
Denn das, was man hier wieder runterfahren kann, lässt schon auch mit der Zunge schnalzen. UFFBASSE! Steht auf Schildern, kurz bevor die nächste fahrtechnische Herausforderung wartet: Steinfelder und sonstiges enges Rumpelgedöns, schnelle Treppen, Absätze und Stufen.
Ein weiteres wunderbares Highlight, wie im letzten Jahr, die Espresso-Bar. Und wir haben Glück. Die Vorgeschichte: Als es auf der Abfahrt dorthin wieder UFFBASSE heißt, wollen Armin und Christian zunächst zwei Biker vorbeilassen, die uns bereits den vorhergehenden Aufstieg begleitet haben. Weil ich aber gerade so schön im Flow bin, wird man wieder nicht geschoben, sondern gefahren, den Drop runter und weiter. Die beiden also hinterher. Und so genießen wir je einen Espresso Doppio Macchiato und einmal Capuccho. Die beiden Kameraden kommen dann hinter uns mit ihren Bestellung dran. Wir genießen gerade mit Amarettini und Streuselkuchen, da heißt es von der Bar "Gas ist aus, gibt keinen Cafe mehr!". Glück gehabt. Habe wegen dem "Doppio" aber auch kein schlechtes Gewissen, denn bis dahin alles Sahne und mit einer 66km/h-Abfahrt auch ordentlich Gas gegeben.




Das Whyte macht alles mit, will mir wohl zeigen, dass ich kein Enduro brauche.

Ach so, ja natürlich sind wir schon längst auf der Langstrecke unterwegs. Und so bewegen wir uns auf den letzten Schinder des Tages zu. Den DRECKSANSTIEG. Nochmal insgesamt knapp 400 Hm, unterbrochen mit meinem persönlichen Highlight des Tages: Der sympathische "Fitfucker" vor mir wird getrieben, fährt mit seinem schmal bereiften Hardtail immer schneller, auch durch mich gepusht. Die folgenden Stufen und Treppen nehmen wir mit vollem Flow und in der Luft. Bis er bremst. Au scheizze...hätte schiefgehen können....wer sagt denn das SLX 203/180 nicht ordentlich funzt? Wieder am Gas spukt uns der Trail in einer Kehre wieder aus. Nicht ohne, dass es vorher nochmal einen buckeligen Felsabsatz hatte.
Die letzten Kilometer zur letzten VP, Rothaus-Pilsener und Wurstbrote warten. Die Aussicht wunderschön auf Lambrecht ins Tal, von den Bergrücken und -kämmen des Pfälzer Waldes eingerahmt.






Und eine gute Nachricht zum Schluss: Wir haben ein akutes Tiefenmeterdefizit, gefahren bis dahin rund 1.700 Meter hoch, aber nur 1.300 runter. Ihr wisst, was das heißt. Jo, noch einmal Knallgas und die Geschwindigkeit das Rad stabilisieren lassen. Ein schöner letzter Rausch!

Heute wurde alles ausgekostet. Weitere Rahmendaten: 1.770 Hm, 75 Km, 6 Stunden Fahrzeit netto, Schnitt 12.57 km/h.
Letztes Jahr auf der kleinen Runde waren es 10,3 km/h. Ich glaube, ich bin auf gutem Weg ein vollwertiges Mitglied der Vennbike-Gemeinde zu werden.

Und, vor allem: Ich bin bereit für 2017! Die beiden Spitzspitzkehren, die ich heute als einziges noch ausgelassen habe, bitte warm anziehen!





Text und Bilder von Rene Heincken