12. August 2016

24h RaR - Lasst auf WAHNSINN den IRRSINN folgen



Lasst dem WAHNSINN seinen Lauf. Das Wort WAHNSINN kann vieles sein, von einer Gemütserkankheit, über eine Verhaltensweise, bis hin zum anerkennenden Ausdruck einer Leistung. 
WAHNSINN, ist schwer planbar. Niemand will von WAHNSINN erfasst werden und doch mag es ein jeder gerne, in der Gesellschaft anerkennend, das Wort WAHNSINN zu vernehmen.
Es gibt Menschen die in mir einen guten Radfahrer sehen. Das fühlt sich schön und gut an. Viele denken aber auch, dass ich schon hier und da schon mal ein Podium errungen habe. Aber ausser ein paar bedeutungslosen Altersklassentreppchen war mein größter Erfolg bis dato der Sieg am Alfsee als 24h Solofahrer, in der Sonderwertung Singlespeed. Das ist eine tolle Sache, aber doof wenn man in Ermangelung an Konkurrenz auch mit einer Runde gewonnen hätte. 
Jetzt sagt der Wolle, mein Betreuer „ Mensch Muschi, wer hätte beim siebten Platz in der Gesamtwertung denn noch vor dir stehen sollen?“ Da hat er recht, aber „Competition“ ist halt was anderes. Andere mögen denken, dass es gerade das ist, was mich sympatisch macht. Weil ich einer bin wie alle, der nur einen Wettkampf fährt des Wettkampfs willen. Das finde ich auch schön.
Aber da geht noch mehr, sicher.

Schöner wäre es einen WAHNSINN von der Leine zu lassen, mit Kampf, Tränen und Tragik, um ein Schauspiel zu kreieren an das sich die Beteiligten noch gerne Jahre später erinnern mögen. 
So ein WAHNSINN aber muss geplant sein.

Im November 2015 als meine Verpflichtung in das Team Focus RAPIRO Racing beschlossene Sache war, ist mir sofort klar geworden was folgen musste. Jetzt war es an der Zeit einen Traum zu verwirklichen.
Einen Achter am Ring, dort wo meine Faszination für die Raptoren in orange 2011 begann. Ein Achter als Familienzusammenführung der etwas anderen Art. Vennbiker und Rapiros in einem Team und dem unbedingten Drang das Podium zu erobern. VENNRAPTOREN beißen schneller! Sieben Fahrer waren dafür schnell zu begeistern. Der deutsche Meister der vierer Teamwertung vom Alfsee 2015 stand auf der Vennbikeseite sofort zur Verfügung. Mit Laurenz Beck, Michael Meyer und Jan Kroupa kamen drei schnelle Raptoren aus der zweiten Reihe des Teams dazu.
Weil jede gute Geschichte von Tragik lebt, sollte man sich nie zu sicher sein am Erfolg. Einen Tag vor dem Rennen, hagelt es nur Hiobsbotschaften. Zwei meiner wichtigsten Leistungsträger, Till Barth und Jan Kroupa fallen aus. Hat schon mal jemand versucht einen Achter noch am Rennwochenende neu zu besetzen? Mit nur 6 Fahrern rückt das Vorhaben Podium in weite Ferne, dafür ist die Konkurrenz zu stark.
Aber nichts ist unmöglich. Wie sage ich gerne, ich lasse mich nicht verhindern. Mit Kai Leberig von Team Radon Jentschura und Jana Kalbertodt von Radsport Nagel war schneller Ersatz gefunden.
Aber ich darf es vorweg nehmen, Jana und ihr Schiffsdiesel, der für 24h Solos ausgelegt ist, wird schwer leiden unter den Vorgaben der anderen 7 Heizer.





Wer ist so blöd und glaubt der Wetter-App? Die meisten Wettervorhersagen zum Ring sind dem Wunschglauben entsprungene Wahnvorstellungen. Immer wieder aufs Neue beweist uns das Wetter am Nürburgring, dass es sich von jeder Vorhersage abgekoppelt hat. Ich erinnere mich noch gerne an den spektakulären Rennabbruch 2013 morgens um 4 Uhr, als ich gerade dabei war im schönsten Unwetter 6min pro Runde auf den direkten Konkurrenten einzufahren, oder dem vom Sturm verwehten Rennen 2015.

Aber hier und jetzt ist alles anderes. Das Wetter zeigt sich für preussisch-sibirische Verhältnisse von seiner besten Seite, und scheinbar soll es auch so bleiben. Scheinbar!!! Um ja nicht zu vergessen wo wir sind, kübelt es nachts aus Eimern. Ein Bach fliesst durch unser Ruhezelt. Schön das der Spuk am Morgen wieder vorbei ist.





Lagerbau und zelebrierter Lagerkoller zur Steigerung des Teamgeistes, was gibt es schöneres. Drei Achter, „Focus RAPIRO Racing“, „Möhlenhoff - Focus RAPIRO Racing“ und „RAPIRO - Vennbike“ müssen versorgt und geplant sein. Eine Teambesprechung jagt die nächste. Taktische Planungsspiele werden analysiert und Nachtformationen in Frage gestellt. Wer wird Startfahrer? Eigentlich sollte ein Vennbiker die Einführungsrunde fahren, jedoch vertraue ich auf die Macht des Trikots und schicke unser Rennkücken Laurenz in orange los. 
Der schafft es sogar, wie geplant, das Hinterrad von Seppel aus dem RAPIRO Achter zu halten bevor der normale Gang der Dinge seinen Lauf nimmt. Die Raptoren sind einfach zu schnell.

In Runde sieben kommt dann noch die benötigte Tragik ins Spiel. Ich hatte mir um die Pannensicherheit meines montierten Continental SpeedKing den ein oder anderen Gedanken gemacht. Das ein grösserer Schotterstein aber meinem vorne montierten RaceKing den Garaus macht, hätte ich nicht gedacht. Mit Müh und Not erreiche ich nach der ersten Schotterabfahrt, hinter Durchfahrt alte Boxengasse, das Lager vom Team Achterjet und MTB Offensive. Während ich Transponderabholung ins Telefon schreie, sind unsere netten Konkurrenten schon damit beschäftigt einen Schlauch in Rekordzeit einzuziehen. Das ist Fairplay in Reinkultur.
Bevor Laurenz mich abholen kann, sitze ich wieder auf dem Rad und lasse mich vom späteren Sieger der 2er Wertung Johannes Nassheuer vom Team 24h Northwave in Windschatten-Rekordzeit zurück ins Fahrerlager bringen. 





Ich könnte kotzen, das war alles anders geplant. Wo ist die 19min Zeit für die ich mir seit Jahren die Seele aus dem Leib fahre. Jedoch ist eine 22.59min trotz Reifenschaden und ein 27er Schnitt ein Ausrufezeichen.
Nächste Runde neues Glück. Wir kämpfen um Platz zwei mit dem Team NRT Protective. Der von mir stärker eingeschätzte Möhlenhoff Achter sucht sich noch, der RAPIRO Achter hat uns in Runde 16 das erste Mal überrundet.
Die Macht des Trikots lässt mich dann auch endlich die erhoffte 19 vor der Rundenzeit sehen. Eine Fabelzeit von 19.48 und später 19.41 bestätigen auch die Qualität des von mir gefahrenen Rennboliden. Abends komplettiert Jana unser Team und in der Nacht heißt es den knappen Vorsprung von einer Runde durch die Nacht zu retten. Wir setzen ab ein Uhr auf Doppelrunden um eine längere Ruhezeit zu haben. Die Rechnung geht auf, auch wenn der durch mein lautes Organ zelebrierte WAHNSINN Teile unseres Fahrerlagers am schlafen hindert.
WAHNSINN wir halten nicht nur den Vorsprung, in den Morgenstunden können wir ihn zeitweise sogar auf 2 Runden ausbauen. Wir sind im Plan.





Der Rest des Vormittags ist Verwaltung und das knisternde Erlebnis, wie der Möllenhoff Achter versucht das auf Platz drei liegende Team NRT Protective zu kassieren. Aber es hilft alles nichts, die Attacke kommt zu spät. Da hilft auch der Windschatten des RAPIRO-Achters nicht mehr.
Nach Jahren des Kampfes, gibt es ein Podium am Ring in der Gesamtwertung. Der zweite Platz bei Rad am Ring ist das Maximale was zu erreichen war, bei maximalem WAHNSINN, maximalem Einsatz und maximalem Erlebnis.






Think pink - eure Muschi