9. August 2016

Die 24h von Duisburg oder „Wieso tue ich mir das eigentlich immer wieder an?“...


Da steht man morgens bei 8°C in nasskaltem Trikot in der Wechselzone, friert sich einen ab und stellt sich genau diese Frage. Eine Antwort kann man sich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht geben, zumindest keine, die motivieren oder gar wärmen würde.

Aber was solls, die Platzierung gilt es zu halten, eventuell sogar zu verbessern, also ein bisschen mit den Armen wedeln und kleine Sprünge machen und dann ab aufs Rad - „Es ist ja auch nur eine Stunde, dann hab ich ja wieder Pause“.

Aber fangen wir mal von vorne an.

Wir wollten als 2er Team die 24h von Duisburg rocken. „Wir“, das sind Rafael Planer vom PST Racing Team und ich, Max Steffens von vennbike.de. Rafael hatte den Startplatz besorgt und da wir der Meinung waren, dass wir als Team ganz gut funktionieren, haben wir diese Taskforce gebildet.

„Podium soll es werden!“ - da war Rafael fest von überzeugt. Ich eigentlich auch, zumindest, wenn die Form stimmt (und die Form der Konkurrenz nicht ;)).

Die Vorbereitung war einfach. Jeder trainierte auf seine gewohnte Art und Weise und es wurden im Vorhinein einige Rennen bestritten. Meine Vorbelastung bestand aus der Teilnahme am 24h MTB Rennen am Nürburgring mit dem „Rapiro / vennbike.de“ 8er Team. Das waren immerhin 9 knallharte SB-Einheiten, aufgeteilt auf ein gemütliches und lustiges Wochenende bei Kaiserwetter. In der Woche dann noch zwei GA1 Einheiten und das sollte es auch gewesen sein.




Ich reiste schon am Freitag an, da ich die Strecke und die Gegebenheiten vor Ort noch nicht kannte und man will sich ja auch nicht unnötig Stress machen. Rafael ist da wohl eher der Chaot des Teams. Er kam erst Samstag und musste noch Reparaturen am Rad tätigen – passt ja, das Rennen startet ja erst um 12 Uhr, also wieso sollte man sich stressen...?!

Wir einigten uns darauf, dass Rafael die Startrunde fährt und wir mit 2er Stints starten. Die Idee war, dass es im 2er Team kontraproduktiv ist, wenn man in den Pausen schläft, da dann der Kreislauf zu sehr runter fährt, also wollten wir möglichst kurze Stints fahren und uns lieber öfter abwechseln. Nach ein paar Wechseln stellten wir jedoch fest, dass der Wechsel durch die verlängerte Wechselzone sehr viel Zeit in Anspruch nahm und änderten unsere Strategie auf 3er Stints. Wir waren uns einig, dass wir das Tempo auf drei Runden konstant hoch halten können und der Kreislauf in der Stunde Pause nicht zu stark runter fährt. Diese Strategie behielten wir bis zum Ende bei und waren damit auch sehr zufrieden.



Apropos Tempo. Das war wie erwartet verdammt hoch. Ich versuchte mich anhand von Herz- und Trittfrequenz zu bremsen, aber die schnellen Runden der übrigen 2er Teams und die vorbei rauschenden 8er und 4er sollten mich immer wieder dazu treiben, doch noch ein paar Kohlen nachzulegen. Ich wusste, dass das Rennen 24h dauert und dass es nicht in den ersten Runden entschieden wird. Ich wusste aber auch, dass es zu spät ist, wenn man morgens nach 18h erst richtig angreift. Also Tempo! Sobald ein übermotivierter 4er oder 8er an mir vorbei kam, hängte ich mich in dessen Windschatten. 





Das spart Kräfte und ist deutlich schneller, als alleine zu kämpfen, hilft allerdings nicht bei den 3-4 knackigen Anstiegen, die diese durchaus abwechslungsreiche Strecke zu bieten hat. Dazu gehörten vor allem die Rampe vor der „AC/DC-Kurve“, die 24h lang mit AC/DC Songs und >130db beschallt wurde, und der berühmt-berüchtigte Monte Schlacko, der letzte Anstieg vor Start/Ziel.

Wir fühlten uns gut und pendelten uns während der ersten heißen Rennstunden in den Top 7 ein. Die Plätze 1-3 waren eine Klasse für sich und bereits nach wenigen Stunden uneinholbar. Die Plätze 4-7 allerdings waren bis weit in die Nacht nur wenige Sekunden bzw. Minuten voneinander entfernt, sodass es lange sehr spannend blieb und Platzierungswechsel sehr häufig vorkamen. Vor allem die Engstelle an der Treppe, die immer wieder zu langen Staus führte, sorgte für Sorgen unter den Fahrern. „Ist Team XY jetzt schon durch? Dann könnten sie einen großen Vorsprung heraus fahren!“ oder „Jetzt kann Team YZ wieder ordentlich aufholen, während ich hier im Stau stehe!“... 




--- Vielleicht sollte hier mal ein gut gemeinter Rat an die Veranstalter gehen, damit diese Engstelle entschärft oder durch weitere Abfahrten erweitert wird – das nutzt nicht nur den schnelleren Teams, die gerne ein Rennen ohne Stau fahren würden, sondern auch bzw. vor allem den langsameren und unsicheren Fahrern, die auf Schieben oder Unfälle auf dieser Rampe verzichten können. ---

Die Nacht war kalt und nass. Die Trikots trocknen nicht und nach jeder Pause mussten wir wieder in die feuchte Kleidung und uns frierend in die Wechselzone stellen. Die Wartezeit versuchten wir so kurz wie möglich zu halten, sodass ich auch einmal wenige Sekunden zu spät und Rafael bereits in die vierte Runde gestartet war. Zum Ausgleich durfte ich danach auch vier Runden ran.



Der befürchtete „Mann mit dem Hammer“ blieb überraschenderweise aus. Unsere Runden blieben konstant schnell. Nach meinem letzten Stint rief ich Rafael in der Wechselzone zu „Gib Gas und hau ne 17er Zeit raus, dann kannst du noch ne 2. Runde fahren!“, was eher als Scherz gemeint war. Doch Rafael haute eine 17er Zeit raus und kam 1:08m vor Rennende über die Ziellinie und durfte somit noch unsere 77. Runde fahren. Damit festigten wir den 5. Platz unter den 2er Teams. Auch wenn es nicht das erhoffte Podium geworden ist, so können wir, vor allem aufgrund der sehr starken Konkurrenz, sehr zufrieden sein.


Und auch, wenn wir uns jedes Mal fragen, wieso wir uns das antun, werden wir wohl im nächsten Jahr wieder kommen.


Alle Fotos sind aufgenommen von Suilian Richon, Suilian-Richon-Portraits-Art-Photography